Autor: Maximilian Baumert

Danke für deine Arbeit, Eugen Holzwarth!

Griechenland und Portugal waren noch Diktaturen, keiner der beiden damaligen deutschen Staaten war Mitglied der Vereinigten Nationen, der Kanzler der Bundesrepublik hieß Willy Brandt und in den USA herrschte Richard Nixon noch ein paar Monate, als Eugen Holzwarth im Frühjahr 1973 mit damals 27 Jahren zum Jugendleiter des TSV Oberbrüden gewählt wurde. Fast fünf Jahrzehnte später gibt er dieses Amt nun in der morgigen Jahreshauptversammlung ab und blickt verschmitzt schmunzelnd zurück: „Es war nicht alles schlecht, was wir gemacht haben.“ Ein Satz, der typisch ist für den Auenwalder. Einerseits bescheiden zurückhaltend. Andererseits durchaus klarmachend, dass er weiß, was er geleistet hat.

„Beim WFV gibt es niemand und auch in ganz Deutschland dürfte es wohl keinen geben, der das so lange gemacht hat.“ Der in Backnang geborene Schwabe ist eine Ausnahmefigur. 48 Jahre lang und damit fast zwei Drittel seines bisherigen Lebens stellte er sich in den Dienst des Oberbrüdener Nachwuchsfußballs und bekennt: „Der TSV ist für mich schon ein Stück Heimat.“ Wobei der nunmehr 75-Jährige nicht nur dort ehrenamtlich am Ball war und ist. Fast 30 Jahre lang ist er in Auenwald mittlerweile Gemeinderat, gar seit 50 Jahren Kirchengemeinderat und zwölf Jahre lang war er Jugendleiter des Sportkreises Rems-Murr.

Holzwarth zählt zu der Sorte Mensch, die mitschafft, hilft, für andere da ist, ohne viel Aufhebens um die eigene Person zu machen. „Bei unseren Hallenturnieren war ich oft der Erste und der Letzte in der Halle.“

„Ich habe nie den Herrn Holzwarth gegeben. Noch heute freut es mich, wenn die Jungs Eugen zu mir sagen.“

Eugen Holzwarth

Das werden die Steppkes, Jugendlichen und Fußballer aller Altersstufen sicherlich weiterhin tun, dann damit allerdings nicht mehr den Jugendleiter des TSV Oberbrüden ansprechen, sondern den Sportfreund Eugen Holzwarth. „Ganz zurückziehen werde ich mich im Verein nicht und man wird mich sicher weiterhin auf den Sportplätzen der Region sehen“, sagt der Auenwalder und spricht damit bestimmt auch von der einen oder anderen Halle der Gegend. Denn das Interesse des Auenwalders galt und gilt dem Fußball zwar im Besonderen, aber nicht einzig alleine. Bei den Bundesliga-Judokas der TSG Backnang war er einst häufig zu Gast und wenn im Weissacher Tal etwas läuft, dann schaut er oft und gerne vorbei. „Wir hatten hier in Oberbrüden vor vielen Jahren das erste Weissacher-Tal-Pokalturnier für A-Jugend-Teams“, ist er heute noch stolz darauf und einer, der bedauert, dass dieser sportliche Wettstreit der Tälesklubs vielen nicht mehr ganz so wichtig ist. „Damals hatten wir mit Lippoldsweiler, Sechselberg, Althütte, Unterweissach, Allmersbach und Oberbrüden sechs Mannschaften“, erzählt er stolz und gleichzeitig etwas wehmütig, kämen heutzutage doch wohl gerade mal die Hälfte an Teams zusammen.

Eugen Holzwarth ist allerdings keiner, der ständig nach hinten blickt. Er gestaltet lieber mit. Früh war er bereit, Spielgemeinschaften zu bilden, damit seine Oberbrüdener Jungs vernünftig Fußball spielen können. Wie vor vielen Jahren in einer Kooperation mit dem SV Steinbach oder wie seit nunmehr sieben Jahren als Jugendspielgemeinschaft Auenwald in Zusammenarbeit mit dem TSV Lippoldsweiler. Angesichts der großen Rivalität zwischen den beiden Auenwalder Vereinen damals fast ein Politikum. „Da habe ich mir selbst im eigenen Verein nicht nur Freunde gemacht“, weiß Holzwarth. Doch das Stammtischgerede brachte ihn nicht vom Weg ab: „Das war zwar ein langes und hartes Stück Arbeit, aber es war dafür auch höchste Zeit.“

Ähnliches sagt er auch zum Thema Frauenfußball, dem er vor ein paar Jahren eine Heimat in Auenwald bieten wollte. „Wir haben den AOK-Mädchentreff hierhergeholt und versucht was aufzubauen.“ Auf Dauer geklappt hat es nicht. Missen will der gelernte Maler und Lackierer, der 30 Jahre lang bei der Stadt Backnang arbeitete, den Versuch allerdings trotzdem nicht.

Überhaupt war er einer, der guten Gewissens von sich sagen kann, dass er in all den Jahren stets über den Tellerrand hinausgeschaut hat. Er kümmerte sich darum, dass mithilfe von gegenseitigen Besuchen von Jugendteams die Partnerschaften mit Städten in England, in Ungarn und in Frankreich gelebt wurden, holte dabei Nachbarvereine wie den SV Steinbach oder den SV Allmersbach mit ins Boot. Er und sein Verein organisierten Veranstaltungen und viele Turniere, deren Erlöse an Hilfsorganisationen wie Unicef, die Kinderkrebshilfe des Olgäles gingen, sammelte und spendete Trikots für die Nepal-Hilfe von Sportmoderator Holger Oppermann und freut sich heute noch darüber, dass er und sein Verein im Gegenzug dafür zu Sport im Dritten und gar zweimal zum Kanzlerfest nach Bonn eingeladen wurden. Stolz präsentiert er den Wimpel des nepalesischen Vereins Three Star Club aus Lalitpur und das Foto, das sechs der dortigen Jugendlichen in aus Auenwald geschickten Trikots und mit einem Wimpel des TSV Oberbrüden in der Hand zeigt.

Schöne Erlebnisse, tolle Erinnerungen an eine ausgefüllte Jugendleiterzeit. Eine, die nun zu Ende geht und über die Eugen Holzwarth zufrieden sagt: „Ich glaube, dass ich den Draht zu den Jugendlichen nie verloren habe, und ich hatte Freude an der Arbeit, sonst hätte ich es nicht so lange gemacht.“